Der April ist für mich jedes Jahr ein besonderer Monat. Er steht wie kaum ein anderer für Übergang. Es ist nicht mehr Winter und noch nicht ganz Frühling. Vieles ist bereits in Bewegung, und gleichzeitig ist noch nicht sichtbar, wohin sich alles entwickeln wird.
Genau diese Zwischenräume begegnen mir gerade auffallend oft in meiner Arbeit.
Viele Menschen stehen zwischen einem Alten, das noch nicht ganz abgeschlossen ist, und einem Neuen, das noch keine klare Form hat. Manchmal gibt es erste Ideen, mehrere mögliche Richtungen. Manchmal ist das Neue noch gar nicht in Sicht. Und genau dort entsteht ein sehr spezieller innerer Zustand: Es fehlt nicht an Motivation oder Engagement – sondern an Struktur, an Orientierung, an einem Plan, der sich stimmig anfühlt.
Und dann taucht eine sehr ehrliche Frage auf: Wie kann ich planen, wenn ich noch gar nicht weiss, wohin?
Diese Phase auszuhalten ist anspruchsvoll. Nicht nur gedanklich, sondern auch körperlich. Unser System sucht nach Klarheit, nach Richtung, nach Sicherheit. Wenn diese fehlen, werden die Gedanken schneller. Einer führt zum nächsten, dann zum nächsten und plötzlich entsteht ein inneres Gewirr aus Möglichkeiten, Befürchtungen und Erwartungen. Viele Menschen merken in solchen Momenten gar nicht mehr, wo sie ursprünglich gestartet sind.
Genau dort beginnt Selbstführung.
Was mir im Moment besonders häufig begegnet, ist der Wunsch, sich von diesem inneren Strom nicht mitreissen zu lassen. Wieder bei sich anzukommen. Von innen nach aussen handeln zu können.
Manchmal beginnt das mit etwas sehr Einfachem:
Bevor ich das Handy einschalte.
Bevor ich den Laptop öffne.
Bevor ich mich vom Aussen führen lasse, kurz innehalten und wahrnehmen:
Wo stehe ich gerade innerlich?
Was ist heute wirklich dran UND was nicht?
Gerade in Übergangsphasen entsteht Stabilität selten durch schnelle Antworten. Sondern durch innere Ausrichtung.
Eine kleine Übung kann dabei unterstützen:
Beide Füsse bewusst auf den Boden stellen. Innerlich sagen: Ich muss das heute nicht lösen. Und dann nur diese eine Frage: Was ist mein nächster klarer Schritt – nicht mein ganzer Weg?
Diese einfache Verschiebung verändert oft erstaunlich viel. Sie bringt uns aus dem Gedankenkarussell zurück in die eigene Handlungsfähigkeit.
(Inspiriert ist diese Übung durch körperorientierte Selbstregulationsübungen aus der Body-2-Brain-Arbeit von Dr. Claudia Croos-Müller.)
Vielleicht erlebe ich solche Übergangsphasen gerade auch deshalb so häufig, weil viele Menschen mit erhöhter Wahrnehmungsfähigkeit besonders sensibel auf Zwischenräume reagieren.
Aktuelle Forschung beschreibt diese Fähigkeit als ein Zusammenspiel: feine Details wahrnehmen, Informationen tiefer verarbeiten, soziale Stimmungen schneller erfassen und gleichzeitig intensiver auf Veränderungen reagieren. Wenn im Aussen noch keine klare Richtung sichtbar ist, arbeitet dieses innere System oft auf Hochtouren.
Was dann entsteht, ist kein Mangel an Stabilität. Es ist eine erhöhte Verarbeitungstiefe.
Und genau deshalb braucht es in solchen Phasen weniger zusätzliche Informationen von aussen und mehr innere Orientierung.
Das Bild der Möwe (danke Michelle), das mich zu diesem Newsletter inspiriert hat, passt für mich genau dazu. Sie steht ruhig auf dem Geländer über dem Wasser, während unter ihr alles in Bewegung ist. Sie wartet nicht darauf, dass das Wasser still wird. Sie findet ihre Balance dort, wo sie steht.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fähigkeiten in Übergangszeiten: Nicht zuerst die perfekte Richtung zu kennen sondern die eigene innere Stabilität wieder zu spüren.
Von dort aus entsteht Klarheit. Nicht im Aussen. Sondern Schritt für Schritt, von innen nach aussen.
Die Einladung dieses Monats: Wie viel Aussen ist hilfreich und wie viel Innen ist nötig, damit Klarheit entstehen kann?
Ich wünsche dir einen energievollen April und vielleicht findest du es in diesem Zwischenraum plötzlich auch ganz spannend 🙂
Eine Möglichkeit, wie ich dich auf deinem Weg unterstützen kann:
Mit Sensitive Leadership – im 1:1 Coaching für Führungskräfte und HR-Verantwortliche.
Hier geht es darum, dass du deine Intuition als strategische Ressource nutzen lernst, deine Energie bewusst steuerst und resilient führen lernst, auch in komplexen Situationen.
Aktuell exklusiv als 3-Monats-Begleitung im 1:1 Format.
Hier kannst du ein Kennenlerngespräch vereinbaren: Kennenlerngespräch jetzt buchen oder du meldest dich direkt über E-Mail bei mir.
Ausblick: Sensitive Leadership – online
In den kommenden Monaten wird Sensitive Leadership auch als Online-Format angeboten.
Ein Raum für Führungskräfte und HR-Verantwortliche,
die ihre erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit bewusst einordnen, schärfen und als strategische Ressource nutzen möchten – jenseits von reinen Checklisten.
Wenn dich das interessiert, schreibe mir gerne.



