Raum mit gelb-schwarz gepunktetem Muster in Form von geschwungenen, tunnelartigen Strukturen. In der Mitte steht eine Frau mit blonden Haaren und Brille, in schwarzer Jacke, mit erhobenen Händen. Textüberlagerung: #AssetIntuition, Klarheit, Spielraum, Selbstbestimmung, Kalo mina 09/2026.

Kalo mina – September 2026

01. September 2026

Bereit sein, bevor man muss

Dieses Foto entstand in einer Installation von Yayoi Kusama. Die japanische Künstlerin ist im August im Alter von 97 Jahren gestorben. Ihre Arbeiten mit Punkten, Spiegeln und scheinbar unendlichen Räumen haben mich schon lange fasziniert. Vielleicht auch deshalb, weil sie unsere Wahrnehmung herausfordern: Wo beginnt etwas, wo hört es auf und was verändert sich, wenn wir unseren Blickwinkel verändern?

Kusama selbst ging ihren Weg bemerkenswert konsequent. Gegen Widerstände und gesellschaftliche Erwartungen entwickelte sie über Jahrzehnte ihre unverwechselbare eigene Sprache und blieb ihr treu.

Als ich von ihrem Tod las, musste ich wieder an dieses Foto denken. Und an ein Thema, das mich ebenfalls seit vielen Jahren beschäftigt: Selbstbestimmung.

Denn Fremdbestimmung hat mich schon immer getriggert.

Gerade hören wir fast täglich von Stellenabbau, Reorganisationen und Unternehmen, die sich neu ausrichten. Vieles davon können wir als einzelne Mitarbeitende nicht beeinflussen.

Die Frage ist deshalb nicht nur: Was passiert mit meiner Stelle?

Sondern auch: Wie viel eigenen Handlungsspielraum habe ich aufgebaut, bevor andere eine Entscheidung über meine berufliche Zukunft treffen?

Bereit sein, bevor man muss

In den vergangenen Wochen habe ich mich in meiner Recruiting-Serie (Linkedin und online Events) intensiv mit den beiden Seiten des Arbeitsmarktes beschäftigt. Ich begleite Menschen in Neuorientierung und rekrutiere gleichzeitig für Unternehmen. Ich kenne tatsächlich beide Seiten des Tisches.

Und genau dieser Perspektivwechsel zeigt mir immer wieder: Es lohnt sich, sich mit der eigenen beruflichen Situation zu beschäftigen, bevor eine Veränderung von aussen dazu zwingt.

Wenn eine Kündigung kommt oder die eigene Funktion plötzlich zur Diskussion steht, passiert vieles gleichzeitig. Die Veränderung muss erst einmal verarbeitet werden. Fragen nach Sicherheit tauchen auf. Und gleichzeitig soll man wissen, was man kann, was man will, wie man sich positioniert und wie der heutige Arbeitsmarkt funktioniert.

Das ist viel auf einmal.

Berufliche Selbstbestimmung bedeutet für mich nicht, alles kontrollieren zu können. Sie bedeutet, den eigenen Handlungsspielraum zu kennen und ihn rechtzeitig zu vergrössern.

Wann hast du zuletzt wirklich angeschaut, wo du beruflich stehst?

Was kannst du heute besonders gut? Was möchtest du künftig häufiger tun und was weniger? Welche Rahmenbedingungen brauchst du? Wie klar ist deine Positionierung? Wie aktuell sind CV, LinkedIn und Netzwerk? Und wenn sich morgen etwas verändern würde: Wüsstest du, wohin du möchtest?

Standortbestimmung ist für mich keine Notfallmassnahme. Sie ist berufliche Vorsorge.

Der Zeit voraus sein

Dabei geht es nicht darum, ständig auf dem Sprung zu sein.

Im Gegenteil. Wer den eigenen Standort kennt, kann auch viel bewusster dort bleiben, wo er oder sie gerade ist.

Die Antwort kann lauten: Ich bin genau richtig hier.
Oder sie lautet: Ich möchte etwas verändern.
Oder: Noch nicht. Aber ich weiss jetzt, was mein nächster Schritt wäre.

Selbstwirksamkeit beginnt dort, wo wir unterscheiden, was wir beeinflussen können und was nicht.

Vielleicht passt deshalb auch Kusamas Raum so gut zu diesem Kalo Mina. Je nachdem, wo wir stehen, verändert sich unsere Perspektive.

Manchmal braucht es nicht sofort einen neuen Weg. Manchmal braucht es zuerst Klarheit über den eigenen Standort.

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