Zuversicht. Vertrauen. Bewegung.
Dieses Foto habe ich vor ein paar Tagen in einem kleinen Café am Strand in Holland aufgenommen. Blauer Himmel, ein pinkfarbener Sonnenschirm, ein Vogel über mir… eigentlich ein ganz friedlicher Moment.
Kurz danach änderte sich die Stimmung schlagartig. Ein Rettungstrupp suchte im Wasser nach einer vermissten Person. Plötzlich war da Anspannung und Ungewissheit. Und sofort dieser Gedanke: Hoffentlich ist es ein Fehlalarm. Hoffentlich wird die Person wohlbehalten gefunden.
Ich merkte, wie sehr ich in diesem Moment zuversichtlich bleiben wollte. Nicht, weil ich wusste, dass alles gut ausgehen würde. Sondern weil ich die Möglichkeit eines guten Ausgangs nicht loslassen wollte.
Vielleicht beschäftigt mich das Wort Zuversicht auch deshalb gerade so sehr.
Der September war dicht und intensiv. Anfang Monat hatte ich ein Gespräch, das bei mir etwas ausgelöst hat. Es ging um die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, zusätzlich wieder in einem Team mitzuarbeiten. Mein erster Impuls war ziemlich klar: Nein.
Und trotzdem blieb die Frage irgendwie an mir haften. Ich habe weiter darüber nachgedacht und irgendwann wurde aus diesem Nein ein: Warum eigentlich nicht? Ich habe mich für die Möglichkeit geöffnet.
Im weiteren Gespräch wurde ich gefragt, was mir an der Arbeit als Career Transition Consultant Freude macht und was ich herausfordernd finde.
Die erste Antwort fiel mir leicht. Ich begleite Menschen sehr gerne in einer Zeit, die herausfordernd und oft auch sehr prägend ist. Ein Stellenverlust ist eben nicht einfach nur der Verlust einer Stelle. Da geraten Sicherheit, Struktur, Zugehörigkeit und manchmal auch ein Stück Identität ins Wanken. Menschen in dieser Phase zu begleiten, gemeinsam Klarheit zu schaffen, Möglichkeiten wieder sichtbar zu machen und Bewegung hineinzubringen, das ist eine Arbeit, die mir sehr entspricht.
Bei der zweiten Frage musste ich länger nachdenken.
Was finde ich herausfordernd?
Manchmal zuversichtlich zu bleiben und diese Zuversicht auch auszustrahlen.
Nicht im Sinne von: „Das wird schon.“
Denn manchmal wissen wir schlicht nicht, wie etwas ausgeht. Ich weiss nicht, ob jemand die Stelle bekommt. Ich weiss nicht, wie lange die Suche dauert. Ich weiss nicht, wann nach dem ersten Schock wieder mehr Sicherheit kommt.
Aber ich kann meinem Gegenüber zutrauen, einen Weg zu finden. Auch dann, wenn er oder sie diesen Weg gerade selbst noch nicht sehen kann.
Zuversichtsimpulse
Mitte September war ich beim 20-jährigen Jubiläum von Solutionsurfers, wo ich einen wichtigen Teil meines Coaching-Handwerks gelernt habe. Stephanie Salecker, Gründerin von Solutionsurfers Deutschland, sprach dort über die Kraft der Zuversicht.
Ein Gedanke daraus ist mir besonders geblieben: Zuversicht ist nicht dasselbe wie Optimismus. Zuversicht beschönigt nichts. Sie kann auch dann da sein, wenn Zweifel und Unsicherheit mit am Tisch sitzen. In ihrem Vortrag formulierte Stephanie Salecker sinngemäss: „Ich weiss nicht, wie es ausgeht. Aber ich glaube, dass ich etwas dazu beitragen kann.“
Das trifft für mich ziemlich genau, was Zuversicht ausmacht.
Gerade in beruflichen Übergängen.
Wie kann ich zuversichtlich in ein Vorstellungsgespräch gehen, obwohl ich nicht weiss, ob ich die Stelle bekomme? Wie kann ich daran glauben, wieder etwas Passendes zu finden, obwohl schon mehrere Absagen gekommen sind? Wie finde ich nach einem Stellenverlust wieder Vertrauen? Und wie kann ich als Begleiterin Zuversicht ausstrahlen, ohne etwas schönzureden?
Wir müssen nicht immer gleich wissen, wo wir in sechs Monaten sein werden.
Manchmal reicht die Frage: Was ist heute möglich? Wen könnte ich anrufen? Was habe ich schon einmal geschafft? Welche Erfahrung hilft mir jetzt? Was ist der nächste Schritt?
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich, wie oft mir Zuversicht begegnet. In meiner Arbeit, bei meinen Klient:innen, bei Entscheidungen, in Übergängen und gerade auch bei mir selbst.
Anfang September wusste ich nicht, wohin diese eine Frage führen würde. Ich habe mich einfach dafür geöffnet.
Zuversicht braucht für mich deshalb nicht zuerst Sicherheit. Sie zeigt sich für mich viel eher darin, dass ich trotz offenem Ausgang handlungsfähig bleibe und den Blick auf das Mögliche nicht verliere.
So wie an diesem Nachmittag am Strand: Ich wusste nicht, wie die Suche ausgehen würde. Aber ich wollte die Möglichkeit eines guten Ausgangs nicht loslassen.
Diese Fragen begleiten mich deshalb in den Oktober:
- Was macht dich zuversichtlich?
- Woher nimmst du deine Zuversicht, wenn es schwierig wird?
- Wer hilft dir, zuversichtlich zu bleiben?
Und worauf vertraust du?



